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Cover
Regenbogen-Lesekiste II
Kurztitel
Der direkte Anschluss an die Regenbogen-Lesekiste I
ISBN 13
978-3-12-010533-6
Autor(en)
Gerheid Scheerer-Neumann, Rudolf Kretschmann u. a.
Bruttopreis
99,00 EUR
Rubrik
regenbogenprogramm
Cover
Buchstaben-Heft (Grundschrift)
Kurztitel
ISBN 13
978-3-12-011362-1
Autor(en)
Erika Brinkmann (Hrsg.)
Bruttopreis
7,95 EUR
Rubrik
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   Prof. Dr. Heiko Balhorn

   17.04.1938 - 07.10.2015

Im Gedenken an Prof. Dr. Heiko Balhorn

Heiko Balhorn war der Gründervater des „verlags für pädagogische medien" (vpm), den er in Hamburg ins Leben rief. Als Hochschullehrer trat Heiko Balhorn engagiert für eine Grundschulpädagogik ein, die Kindern das Lernen durch selbstständiges Erforschen und Entdecken ermöglicht und ihnen den Freiraum gibt, sich Wissen und Kompetenzen im eigenständigen Tun anzueignen.

Als Verleger schuf er mit dem „verlag für pädagogische medien“ die Möglichkeit, seine pädagogischen Maximen zusammen mit engagierten Autorinnen und Autoren in ansprechendes und motivierendes Unterrichtsmaterial zu „übersetzen“.

Diesem Anliegen von Heiko Balhorn, bei „vpm“ das selbsttätige Lernen und den offenen Unterricht in den Mittelpunkt zu stellen, ist der Verlag über die Jahre treu geblieben, auch als die verlegerische Leitung in andere Hände überging. Als Autor ist Heiko Balhorn dem „verlag für pädagogische medien“ bis zuletzt weiterhin verbunden gewesen.

 

Am 7. Oktober 2015 ist Heiko Balhorn unerwartet verstorben.



 

 

Viele Autorinnen und Autoren des vpm-Verlags haben lange Zeit eng mit Herrn Balhorn zusammengearbeitet; sie waren ihm und sind dem vpm-Verlag über die Jahre hinweg mit ihren Ideen und Materialien verbunden. Wir haben einige von ihnen gebeten, einen Rückblick auf ihre Zusammenarbeit mit Herrn Balhorn und eine Würdigung seines Wirkens zu diesem Nachruf beizutragen.

Frau Dr. Inge Büchner hat zusammen mit Herrn Balhorn das Wörterbuch „Grundwortschatz plus“ herausgegeben, den sie vor zwei Jahren für eine Neuauflage gemeinsam überarbeitet haben. Illustriert wurde der „Grundwortschatz plus“ von dem Hamburger Illustrator Jan Peter Schniebel. Auf unsere Bitte hin hat Frau Büchner auf die Gründung des vpm-Verlags durch Herrn Balhorn zurückgeblickt.

Heiko Balhorn und der vpm

Vor 45 Jahren erschienen in der Hamburger Lehrerzeitung erste Ergebnisse einer Erprobung von Unterrichtsmaterialien für den Rechtschreibunterricht, die später als Wortlistentraining (wlt) unzähligen Kindern Wege in die Rechtschreibung aufzeigen sollten. Das Material geht zurück auf empirische Arbeiten am Fachbereich Erziehungswissenschaften, dem Psychologischen Institut der Universität Hamburg und dem Staatlichen Studienseminar. SeminarleiterInnen, ReferendarInnen des Jahrgangs 1968/69, LehrerInnen und SchülerInnen beteiligten sich mit Unterstützung der Schulbehörde an der Felderprobung. Viele wertvolle Erweiterungen und Veränderungen gehen auf die praktischen Erfahrungen im Unterricht zurück.

Federführend war Heiko Balhorn, unterstützt von einer kleinen, enthusiastischen Gruppe. So war der Grundstein gelegt für einen kleinen, aber feinen Verlag, der seinen Sitz ca. 30 Jahre in Hamburg hatte. Seine MitarbeiterInnen gehörten unter-schiedlichen Nationalitäten an. Die Garage wurde zur Packstation und zum Treffpunkt für anregende Gespräche, die nicht selten zu Ideen für neue Produkte führten.

Heiko Balhorn setzte als Verleger Maßstäbe für einen selbstbestimmten Umgang mit Büchern. Die Regenbogen-Lesekiste (Ende der 80er Jahre) mit 40 verschiedenen Büchlein war eine erste Bibliothek für den Anfangsunterricht. Sie ermöglichte – in Verbindung mit offenen Unterrichtsformen – in vielen Klassen die Überwindung des Fibel-Dadaismus und gab den Kindern das stolze Gefühl, bereits ganze Bücher gelesen zu haben. Sein Engagement für Kinder anderer Erstsprachen zeigte sich in den Übersetzungen zu diesen Büchlein.

Es gelang dem Verleger, der als Professor an der Universität Hamburg Seminare zum Sprachlichen Anfangsunterricht gab, führende DidaktikerInnen (Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben – DGLS) als AutorInnen für Produkte zu gewinnen, die einem sich entwickelnden anderen Verständnis von Unterricht verpflichtet waren: Schrifterwerb sei ein eigenaktiver, sich selbst dynamisierender Prozess und bedürfe gerade deshalb zu Beginn systematischer Unterstützung. So entstanden in Heiko Balhorns Verlag Materialien, mit denen ein Ziel verfolgt wurde: Kinder zu ermutigen, auf der Basis ihrer Spracherfahrung – gestützt durch inspirierenden Unterricht – die Muster und Regelungen der Schriftsprache nachzuerfinden. Er vertraute dem instruktiven Gehalt der Sprache, der das Lernen stärkt.

Immer wieder bezog der Verleger Forschungsprojekte in seine Arbeit ein. So liegen der Hamburger Schreibprobe (HSP) die Ergebnisse eines umfassenden Forschungsprojekts zugrunde. Angestrebtes Ziel war die Herstellung der Brücke: Diagnose (HSP) und darauf aufbauende Förderung (wlt und a-o-m), gestützt durch ein Wörterbuch (GRUNDWORTSCHATZ plus)– Materialien, denen ein einheitliches Lehr-Lernverständnis zugrunde liegt.

Heiko Balhorn ließ es sich nicht nehmen, über viele Jahre hinweg sowohl auf der Interschul als auch auf der Didakta oder den vielen Fortbildungsveranstaltungen seine Materialien mit den LehrerInnen zu diskutieren und Anregungen aufzugreifen. Mit großer Überzeugungskraft warb er für ein Verständnis von Unterricht, das den eigenaktiven, intuitiven Regelbildungsprozess der Kinder zur Maxime des Handelns macht. Mit seinen Materialien wollte er diesen Prozess unterstützen.

In Jan Schniebel, dem Erfinder des Rotfuchses der rororo-Reihe, hatte der Verleger schon sehr früh einen Illustrator gefunden, der mit den Kängurus sein didaktisches Konzept nicht nur stützte, sondern mit dem er in gemeinsamem Ringen und großer Liebe zum Detail geniale Lösungen fand, um Kinder um die Ecke denken und somit Lösungen finden zu lassen.

 

 

Als Schriftführer und Herausgeber spielte Herr Balhorn über etliche Jahre hinweg eine wichtige Rolle in der „Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben“. Seine fachliche Bedeutung ist von der „DGLS“, der auch viele Autorinnen und Autoren des „vpm“ angehören, in einem eigenen Nachruf gewürdigt worden.

Nachruf für Prof. Dr. Heiko Balhorn, 17.4.1938 – 7.10.2015

Mit großer Betroffenheit und Trauer müssen wir uns von einem Pädagogen verabschieden, der in vielen Bereichen unseres Lebens eine Lücke hinterlässt:

Als Freund, der stets ein offenes Ohr für andere hatte.

Als (Mit-)Herausgeber der DGLS-Publikationen: der Jahrbücher, die über ein Jahrzehnt hinweg für ein theoretisches Fundament zur Erneuerung des Schriftspracherwerbs in der Grundschule gesorgt haben und in denen der Meinungsaustausch unterschiedlich Denkender öffentlich geführt wurde. Schon 1987 übernahm er für die DGLS auch die Herausgabe der „Blauen Bändchen“. Die Publikationen unterstützten in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zusammen mit einem Generationenwechsel im Vorstand den Aufschwung der DGLS. […]

Als Verleger vieler Unterrichtsmaterialien seines vpm-Verlags (unvergesslich seine Regenbogen-Lesekiste) hat er sich verdient gemacht. Sein Stolz: Es waren vor allem DGLS-Mitglieder, die ihm als AutorInnen zur Seite standen. Seine eigenen und die von ihm verlegten Materialien trugen wesentlich zur Veränderung der Unterrichtslandschaft bei.

Als Professor an der Uni in Hamburg hat er Generationen von Lehramtsstudierenden beeinflusst, vertrat er in seinen Seminaren vehement den Spracherfahrungsansatz. 

Als Kollege, der auf DGLS Tagungen stets ein gewichtiges Wort mitzureden hatte.

Viele GrundschullehrerInnen diskutierten mit ihm Fragen der Aneignung von Orthografie. Denkwege in die Rechtschreibung wollte er den Kindern zeigen, sie die Struktur erkennen lassen und die Lernbarkeit erfahrbar machen. Sein Credo:

Verstehen ist nicht einfach zu haben, nicht mit Aufgaben, die sich von allein, schematisch ausfüllen lassen. Verstehen bedeutet Mühe, Arbeit, Fragen und dabei und dadurch ein Mehr an Wissen und Können und – die Ermutigung durch Erfolg. […]

Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten!

 

 

Mit Herrn Dr. Peter May hat Herr Balhorn den Autor der „Hamburger Schreibprobe“ für den vpm-Verlag gewinnen können, sodass dieser wichtige Rechtschreibtest ein fester Bestandteil des vpm-Programms wurde. An diese fruchtbare Zusammenarbeit erinnert sich Herr May im Rückblick.

Erinnerungen an Heiko Balhorn

Persönlich lernte ich Heiko Balhorn als einen der sechs Prüfer bei meiner Disputation kennen. Er war besonders an den lernpsychologischen Zusammenhängen meiner Dissertation interessiert, die sich mit dem Schriftspracherwerb als Problemlöseprozess befasste.

Knapp 10 Jahre zuvor hatte Heiko Balhorn unter Anleitung des am Psychologischen Institut in Hamburg lehrenden Professors Wilhelm Wieczerkowsky eine Forschungsarbeit über den Zusammenhang von Worthäufigkeit und Rechtschreibfehlern angefertigt. Daraus entwickelte er das im schulischen Bereich sehr einflussreiche Lernmaterial „Wortlistentraining“ (wlt), in dem er erstmals systematisch morphematisch strukturiertes Wortmaterial nach lernpsychologischen Gesichtspunkten (Verwendungshäufigkeit) als Grundlage für das Rechtschreiblernen verknüpfte. Hier war eine erste wichtige Brücke, die unsere Kooperation über viele Jahre ermöglichte: lernpsychologisch begründete Entwicklungsschritte bei der Aneignung schriftsprachlicher Strukturen zu beschreiben und didaktisch bzw. diagnostisch aufzubereiten.

Heiko Balhorn fragte mich direkt nach der Prüfung, ob ich Interesse hätte, mit ihm zusammenzuarbeiten – konkret: ob ich bereit wäre, die kurz zuvor für Hamburger Schulen veröffentlichte „Hamburger Schreibprobe“ in seinem „verlag für pädagogische medien“ (vpm) zu veröffentlichen.

Diese Direktheit und Zielgerichtetheit waren wesentliche Merkmale der Persönlichkeit Heiko Balhorns. Vor allem hatte er ein feines Gespür für weiterführende Ansätze in seinem Fachgebiet. Er war in der noch relativ jungen wissenschaftlichen „Szene“ des entwicklungspsychologisch orientierten „Selbsterfahrungsansatzes“ beim Schriftspracherwerb sehr gut vernetzt, war über die „Deutsche Gesellschaft für Lesen und Schreiben“, deren Schriftführer er über etliche Jahre war und für die er mehrere Jahresbände herausgab, mit allen profilierten deutschsprachigen Wissenschaftlern und Didaktikern in diesem Bereich persönlich bekannt und er brachte es fertig, viele namhafte Vertreter als Autoren in seinem Verlag zu verpflichten. Sein kleiner Verlag schaffte es innerhalb kurzer Zeit, ein beachtliches Renommee zu erwerben, nicht zuletzt durch die vielfältige Vortragstätigkeit des Verlegers, der auf allen wichtigen Foren und Diskussionsveranstaltungen den sog. „Selbsterfahrungsansatz“ popularisierte. 

Persönlich schätzte ich an ihm besonders, dass er seine didaktischen Positionen nie ideologisch begründete, sondern stets auf empirisch-wissenschaftliche Ergebnisse bezog. Hierin lag eine entscheidende Bedingung für unsere Kooperation, denn er musste in unserer Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Hamburger Schreibprobe stets damit leben, dass ich als gelernter „Fliegenbeinzähler“ alle Testkonzepte vor einer Veröffentlichung gründlich empirisch überprüfte. Das war im  empirie-skeptischen Feld der Pädagogen nicht immer einfach, aber schließlich entwickelte sich daraus das linguistisch-entwicklungspsychologisch begründete und empirisch breit erprobte Konzept der HSP zu einem lange anhaltenden Erfolgskonzept.

Obwohl er offiziell „nur der Verleger“ war, ist sein Anteil an der Konzeptentwicklung der Hamburger Schreibprobe bedeutend, da er durch seine Kontakte in der damaligen wissenschaftlichen „Szene“ manche Tür öffnete, durch seine handwerkliche Präzision (nicht umsonst war er früher gelernter Uhrmacher) eine hohe Qualität einforderte und durch seine Fähigkeit, komplizierte Dinge verständlich und durch eingängige Beispiele zu erläutern (er war ein wahrer Sprach-Meister) wesentlich zum Erfolg des HSP-Konzeptes beitrug. Auch wenn unsere Zusammenarbeit nicht immer konfliktfrei war (was nicht verwunderlich war, da er es gar nicht aushalten konnte, seine Rolle als Verleger nicht auch engagiert durch die Rolle eines Autors zu ergänzen), so war sie doch über lange Zeit fruchtbar und erfolgreich. Für mich war er stets ein wichtiger Arbeitspartner und bei der Testentwicklung idealer „Brückenbauer“ zwischen didaktischer Modellvorstellung und empirischer Überprüfung.